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Schnapsidee Wüstenquerung

15.09-18.09.24, Australien/NT/Kulgera/Mt.Dare/Purni Bore, Tag 290-293 Roadtrip, 23.936 km total, Tages-km 322+250+159

Nach dem Uluru kehren wir zum Stuart Highway (die Asphaltstraße Nord/Süd) zurück. Der frische Wind der letzten Tage ist noch frostiger geworden. Selbst tagsüber kommen wir kaum aus den Pullis raus. Die Nächte sind eisig. Sechs Grad – gefühlt wie drei.  Wir nisten uns zwei Nächte im Roadhouse Kulgera ein und überdenken unsere Pläne.

Tagsüber können wir nur im Windschatten vom Auto sitzen – der Wind ist eisig.

Harley mit Anhänger – der Fahrer sitzt im Pup vom Roadhouse …

… und ist seine eigene Karikatur. Der Cowboy im Hintergrund ist eine Puppe.

Wie fahren wir jetzt weiter? Im Süden ist es noch kälter, also bietet sich Richtung Osten an. Die Idee haben wir schon länger, die hat nur mehrere Haken.
Von Kulgera bis zum nächsten Ort – Birdsville – sind es 770 Kilometer. Nur unbefestigte Straße, davon 340 Kilometer durch die Wüste. Die Simpsonwüste  besteht aus 1.100 Sanddünen, die sich parallel von Nord nach Süden ziehen. Die Dünen sind drei bis vierzig Meter hoch und man muss sie alle überqueren. Simpson Desert ist die trockenste Region Australiens und im Schnitt fahren fünf Fahrzeuge am Tag auf diesem Track. Vier Übernachtungen sollte man auf jeden Fall einplanen. Auf den Dünen ist kaum eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h zu schaffen.
„Bereite dich gut vor und wir empfehlen diesen Track nur erfahrenen 4×4 Fahrern“, mahnen Bücher und Infoblättchen.

Das Auto hat ein eingebautes Funkgerät – check ✓
Richard aus Cairns hat uns ein Handfunkgerät mitgegeben, falls wir das Auto (aus Gründen) verlassen müssten – double check ✓
Wir haben vier nagelneue Reifen (more agressive) – quadruple check ✓
Wir haben zwei Tanks mit 160 Litern Diesel – check ✓
Essen für mindestens acht Tage an Bord – check ✓
Achtzig Liter Trinkwasser dabei, zehn Liter mehr als empfohlen – check ✓
Kein Regen die nächsten fünf Tage vorhergesagt – check ✓
Fehlende Sanddünen-Erfahrung:  „Erfahrung ist, was einem zustößt“, findet der Fahrer. Die Beifahrerin ist zuversichtlich: „Optimismus ist der Mangel an Information“. :mrgreen:

Neben der normalen Vorbereitung muss man eine „Sand Flag“ am Auto montieren. Eine rote, fluoreszierende Fahne muss 3,5 Meter über dem Boden schweben. Ein Ausrüstungsgegenstand von dessen Existenz man im normalen Leben gar nichts weiß. Geschweige denn, wo man so etwas kaufen kann. In Australien ist das kein Problem. Fast jeder 4WD-Outdoor-Outback- Laden hat Sand Flags im Sortiment. Eine biegsame, dreigeteilte Stange plus Fahne in der praktischen Transporthülle. Eine Halterung für den Bullenfänger liegt gleich daneben. Eine Papierkarte, extra nur für diese Strecke, haben wir uns auch noch gekauft. Albern, wie sich die nächsten Tage herausstellen soll. Der Rest aber nicht!

Sand Flag. Mit zwei Gewinden wird die Stange zusammen geschraubt.

Wir fahren also los. Es beginnt mit übelster Wellblechpiste. Nach fünfzig Kilometern Schüttelei sind wir nicht mehr sicher, ob unsere Idee wirklich so gut war. Achim versucht die richtige Spur und Geschwindigkeit zu finden, was nicht immer gelingt. Er lässt Druck aus den Reifen: von 36 psi auf 30. Für seine Verhältnisse ist das viel. Angeraten sind 25 bis 28 psi. Da ist Achim immer ein wenig schüchtern. Als German Autobahn-Fahrer mag er nicht gerne mit platten Reifen unterwegs sein.

Diese Bodenwellen sind fast unerträglich zu fahren.

Der einzige Ort auf 770 Kilometer ist Finke – eine Aborigines Community.

Wir haben noch immer den inzwischen halb geleerten Bierkarton dabei. Die Strafen sind uns zu hoch. Wir fahren nicht in das Dorf.

Die Straße wird nach der Aborigines Community noch schlechter. Wir bleiben dran. Umdrehen kommt nicht in Frage. Es gibt keine Schlaglöcher oder Auswaschungen, nur diese fiesen Bodenwellen machen uns zu schaffen. Die Landschaft ist platt und begeistert durch die Abwesenheit von allem. Es ist Rinderfarmland. Allerdings ohne sichtbare Rinder.

Weideland – nun ja

Auf der Strecke bleibt schon mal etwas zurück …

Mit einem Schnitt von immerhin 50 Stundenkilometern erreichen wir nach zweihundertfünfzig Kilometern unser erstes Übernachtungsziel. Das ‚Mount Dare Hotel‘. Ein Hotel im europäischen Sinn ist es nicht. Eher ein Haus mit Kneipe und Restaurant. Hamburger, Pommes und ähnliches Fastfood kann man hier bekommen. Ein letztes Stück Zivilisation mit Dusche. Aber ohne Trinkwasser oder gar Internet.
Hier bekommen wir auch den ‚Desert Pass‘ ohne den man nicht weiter fahren darf. Die nächsten 500 Kilometer sind als Nationalpark ausgewiesen. Der Pass ist teuer – 200 Dollar – gilt dafür aber ein Jahr. :roll:

In der Mitte von Nichts steht dieses Hotel: Mount Dare Hotel.

Man kann auch tanken in Mount Dare – der Tankwart freut sich. Der teuerste Diesel, den wir bisher in Australien finden konnten. 3,05 Dollar. Der landesweite Schnitt liegt bei 2,00 Dollar. Aber wir müssen hier tanken, alles andere wäre fahrlässig. In den Dünen wird das Auto schlucken. Die Wetten liegen bei 20 Liter, statt 12 wie normal.

Außer uns sind noch ein Dutzend andere Autos hier. Seit Tagen hoffen wir, dass wir auf jemanden treffen, der das gleiche vor hat. Aber die anderen Gäste sind nur Tagestouristen und fahren Morgen nach Alice Springs zurück oder kommen gerade aus der Wüste. Immerhin schaut uns im Gespräch niemand entgeistert an, dass wir alleine weiter fahren wollen. Ein Blick auf unser Auto und es wird wohlwollend genickt. „Less pressure – weniger Druck“, ist der einzige Dauer-Tipp, den Achim bekommt.

Wir schlafen gut. Es nachts weiterhin kalt.
Nach Mount Dare bleibt die Straße schlecht, die Landschaft wird lieblicher. Wir erreichen ‚Dalhousie Springs‘. In dieser Region gibt es 70 Quellen, die aus dem großen Artesischen Becken entspringen. Unter knapp einem Viertel der Fläche Australiens befindet sich ein riesiges Wasserreservoir. Der größte Trinkwasserspeicher der Welt. Diese Quellen haben vor über einhundert Jahren Siedler in die lebensfeindliche Region gelockt. Überreste einer Farm liegen malerisch in sanfte Hügel gebettet.

Die Landschaft wird weicher.

Die Ruinen von Dalhousie Springs.

Malerische Pfähle

Dieser junge Mann wurde mit 15 zum Arbeiten auf die Farm geschickt, um einen Mann aus ihm zu machen. Man macht unweigerlich Witze über Generation Z. ;-)

Ein paar Kilometer weiter kann man sogar in einer der Quellen baden. Heiß baden. Die Wassertemperatur beträgt 38 bis 42 Grad. Wir nutzen dieses Bad ausgiebig, denn eine Dusche wird es die nächsten Tage nicht geben.
Mit uns planscht eine Gruppe von zehn Männern – in fünf Autos unterwegs – in der Quelle herum. Für einige der Jungs ist es das zweite Mal, dass sie in die Simpsonwüste fahren. „Letztes Mal haben wir hier übernachtet. Macht das besser nicht, abends kommen Bill-Trilliaden von Mücken.“  Wir hören auf den Rat, zumal wir schon von Bremsen angefallen werden.

Badewanne mit vielen Mineralien. Die Haare merken es als erstes. Schwer kämmbar. Seife und andere Mittel sind in der Quelle nicht erlaubt.

So sehen die Quellen von oben aus – abfotografiert von den ausgestellten Dalhousie-Ruinen-Fotos.

Hinter Dalhousie Springs wird es richtig schön.

 

Nach knapp zwei Stunden Weiterfahrt erreichen wir die Grenze zur Simpson Wüste. Der letzte Campingplatz mit Plumpsklo auf der Strecke.
Es ist Vollmond. Nachts hören wir weit entfernt ein paar Dingos heulen. Werwolf-Phantasien kommen hoch. Zu sehen bekommen wir keinen Dindo.
Mit uns campieren zwei Motorradfahrer und ein Vater mit seinem erwachsenen Sohn. Der junge Mann hat keinen Bock auf Wüste ohne Internet und zieht eine Flunsch. Der Vater ist ein Glücksgriff-Nachbar. Er fährt die Simpson beruflich. Führt Konvois mit Anfängern durch die Wüste. „Ihr habt so ein Glück“, bescheinigt er uns, „es hat viel mehr geregnet im Winter als sonst. Die Wildblumen blühen. Das bekommt man hier nur sehr selten zu sehen. Und es ist wenig los auf der Strecke. Die Saison ist fast zu Ende. Bald wird es zu heiß, dann wird die Strecke gesperrt. Aber im Augenblick ist es so kühl, dass die Fahrt richtig Spaß macht.“

Wir outen uns als die Anfänger, die er sonst gegen Geld durch die Wüste bringt. Ich bin erleichtert, dass er keine Bedenken hat. „Das Auto ist geeignet. Genug Wasser habt ihr. Nur den Luftdruck musst Du noch etwas verringert“, rät er Achim. „18 psi auf Sand, sonst wird das nichts.“

Teil zwei folgt.


8

SV Carmina – Thomas Rettenmund CH

EINMAL AZOREN – EINFACH BITTE!
Ja, das war/ist mein Wunsch und Ziel. 

Einfach? 

Im doppelten Sinn gemeint. Einerseits ohne ‚Rückfahrt-Ticket‘, anderseits bitte ohne Pro­bleme! Nun dazu später mehr, erstmals Zug um Zug, vom Anfang an.



Thomas Rettenmund

Jeremy Bagshaw ZA

HOW I SAILED AROUND THE WORLD IN MY 32 FT YACHT
She was one of the saddest boats I’d ever seen, but her lines were beautiful. Olleanna, an Olle Enderlein-designed OE 32 with a dark blue hull, caught my eye in a way that few boats ever have; it was love at first sight as I stared down at her from the dock at the Royal Cape Yacht Club in Cape Town.

Jeremy Bagshaw ZA

Der Uluru

12.09-14.09.24, Australien/NT/Uluru+Kata Tjuta, Tag 287-289 Roadtrip, 23.045 km total, Tages-km 361

Wir erreichen den wohl meist fotografiertesten Klotz der Welt und es regnet!

Der Uluru bei Regen. Es regnet in dieser Region im Winter nur zweimal im Monat. Statistisch. Und dann auch nur kleine Mengen. Eigentlich.

Also fahren wir als erstes zum Campingplatz. Der liegt in einem Kunstdorf, fünfundzwanzig Kilometer vom Klotz entfernt. Nur angelegt, damit die Touristen übernachten können. Ungefähr 300.000 Besucher sind es jährlich. Die meisten kommen eingeflogen. Es gibt fünf Hotels, einen Campingplatz, einen Supermarkt und unendliche Variationen den Uluru (früher Ayers Rock) zu sehen: mit dem Fahrrad, auf dem Segway oder per Hubschrauber.

Der Nachmittag bleibt verregnet. Da kein Wind weht, finden wir Schutz unter unserer Markise. Aber es ist schlotterkalt. Die Camp-Küche ist ein Trauerspiel. Der Reinigungsplan an der Wand verrät, hier wurde zuletzt vor acht Tagen sauber gemacht. Peinlich. Dann lasse ich den Plan besser weg.

Zwei Fleece plus Regenjacke und Schal.

In der Nacht hört es auf zu regnen. So war es vorhergesagt. Halleluja. Wir packen morgens zusammen und machen uns auf den Weg zum Uluru. Seit fünf Jahren ist es verboten auf den Felsen zu klettern. Dem Aborigines-Stamm Anangu war das schon immer ein Dorn im Auge, da der Berg für sie heilig ist. 1985 hat die Australische Regierung den Uluru an die Anangu zurückgegeben, dann kam das Kletterverbot.

Die Spur der ehemaligen Kletterer ist noch deutlich zu sehen.

Das neue „Pflichtprogramm“ ist die Umrundung vom Klotz. Der Uluru hat einen Umfang von 9,5 Kilometern. Allerdings verläuft der Wanderweg an besonders heiligen Stellen ein Stück entfernt – hier ist auch das fotografieren verboten  – so dass es zu Fuß fast 12 Kilometer werden.

Fotogener Klotz – von allen Seiten.

Es sind wohl auch noch andere Menschen unterwegs, aber auf 12 Kilometer verliert es sich.

Das ist etwas ganz Besonderes. Von weitem wirkt der Uluru glatt geschliffen und wie aus einem Guss. Dabei ist die Oberfläche fleckig und schuppig, wie die Rinde eines glatten Baums; Platane oder Kauri. Die Erosion hat Löcher gefressen. Kleine und größere Höhlen sind entstanden, sogar einige Ecken sind schon abgebrochen.
Der 550 Millionen Jahre alte Stein kommt in die Jahre. Dass es sich um den zweitgrößten Monolithen der Welt handelt, darf man wohl nur schreiben, wenn keine Geologen mitlesen. Denn der Uluru soll sich mehrere Kilometer unterhalb der Sanddünen fortsetzten. Somit wäre er eigentlich eine Bergspitze.
Uns ist das egal – der Klotz ist in jedem Fall beeindruckend.

Blättrige Oberhaut. Der Stein ist eigentlich hell. Die rote Färbung kommt vom Eisen, was oxydiert.

Diese Verwitterungen sehen wie ein Totenschädel aus.

Australischer Regenbogen-Bienenfresser. Prachtvoller Vogel, besonders wenn er fliegt.

Natürlich gehört auch ein Besuch zum Sonnenauf- oder Untergang dazu. Es sind dafür extra ausgewiesene Parklätze angelegt. Jetzt merkt man, dass auch noch andere Besucher da sind. Der Konvoi schiebt sich aus dem Dorf Richtung Uluru. Die Experten haben Klappstühle dabei. Die echten Profis rücken mit Tischdecken, Sekt und Camembert auf Kräckern an. So romantisch ist es dann aber nicht. Die Atmosphäre hat etwas von Rummelplatz auf der Jagd nach dem besten Selfie. Während der Uluru ungerührt, aber majestätisch, seine Farbe in der untergehenden Sonne verändert. Wie seit 550 Millionen Jahren.

Uluru am Nachmittag. Wie er da so alleine auf der Ebene steht. Toll!

Uluru mit dem letzten Sonnenlicht. 350 Meter hoch.

Ich war auch hier ;-)

Hundert Pkw in Reihe – Busse haben einen Extra-Parkplatz.

Im Schatten vom berühmten Bruder stehen die Olgas (Kata Tjuta) dreißig Kilometer entfernt. Viele Besucher lassen die Steindome aus.  Von weitem sehen sie aus als seien sie aus dem gleichen Stein wie der Uluru.  Sie sind aber eine ganz andere Machart. Verbackene Steine in roter Erde. Durch Druck zusammengeschweißt zu Felsformationen. Eine wunderbare Wanderung führt zwischen den Türmen hindurch. Schöner noch als der Uluru, also unbedingt nicht (!) verpassen.

Die Olgas

Stellenweise muss man klettern – auf Millionen von zusammengeklebten Feldsteinen.

Morgens ist es lange frisch – grade Recht zum Wandern.

Gleicher Standort

… wie hier. Nur um 180 Grad gedreht.

Die Reflektionen vom roten Stein der Olgas taucht alles in rötliches Licht. Was für eine Schönheit dieser Vogel ist,  konnte ich nicht heraus bekommen.

Preis Talk

Alle Unternehmungen, die man am Uluru buchen kann, sind überzogen teuer. Unser Stellplatz kostet 85 Dollar pro Nacht. :lol: Wenn man dann die schmutzige Küche bedenkt, kann man sich auf den Arm genommen fühlen.
Dazu kommt die Eintrittskarte zum Nationalpark Uluru/Olgas mit 38 Dollar pro Person – gültig für drei Tage. Gerne hätten wir uns das Auf- und Abbauen vom Zelt erspart und wären wir mit dem ‚hop on – hop off‘  Bus gefahren. Der Preis ist lächerlich: 170 Dollar pro Person! Wer mit dem Flugzeug kommt, muss diesen Service in Anspruch nehmen. Oder er mietet sich ein Auto, da kommt er billiger bei weg. Vernünftig ist das nicht.

Der Supermarkt im Dorf ist recht gut sortiert, preislich höher als der Durchschnitt, aber akzeptabel. Den Vogel schießt der Alkoholverkauf ab. Wir befinden uns auf Aborigines-Land, aber wegen der Touristen kann man Alkohol nicht komplett verbieten. In den Hotels wird ausgeschenkt. Die Preise kennen wir nicht, aber in einem der Hotels wurde zusätzlich ein kleiner außer Haus Verkauf eigerichtet. Nur wer nachweißt, dass er Gast eines der Hotels oder vom Campingplatz ist, darf dort kaufen. Maximal ein Six-Pack Bier am Tag. Was heißt ‚darf‘ kaufen? Es müsste heißen ‚kann‘ kaufen, denn danach ist der Geldbeutel leer. Ein Six-Pack kostet außer Haus satte 44 Dollar = 27 Euro. Das nennt sich wohl Abzocke.                      Wir freuen uns über unsere Kiste, die noch im Auto steht.


6

SV Lady Blue – Horst Ramisch GER

PACIFIC PLUS – RUDDER REPLACEMENT in TAHITI

Pacific Plus – repair

SV Ruffian Of Amble – Fiona + Iain Lewis UK

WESTERLY OCEAN LORD 41 – MESSAGE FROM PARADISE
Peter,
After our most recent passages we just wanted to send a mail to you with a massive thank you for both all your support in getting our windpilot working and for creating such an amazing steering system.

After lots of ‚playing‘ with the pilot we have finally got to grips with how it works and have had 600 miles of the most ideal sailing
with it. When the pilot is deployed the motion of the boat feels much less frenetic than under autopilot, there is no power use and as it uses a different quadrant from our autopilots we have another level of redundancy.

I cannot express just how impressed we are with how it works and how Ruffian feels.

Thanks again.
Iain & Fiona
SY Ruffian of Amble

SV Jambalaya – Luca Sophia Maier GER

BIANCA 27 – MIT VIER PFOTEN UNTERWEGS
Hallo Peter! hab´ gerade dein Buch gelesen und wollte mich noch einmal dafür bedanken. Tolle, unglaubliche und sehr ärgerliche Erlebnisse – hatte es in zwei Tagen durch.
Dümple gerade mit meiner Bianca in Portocolom und warte auf das richtige Wetter für Menorca (weiß ja gerade nicht so was es will)
Jedenfalls weiß ich jetzt was ich nicht will: die Bianca verkaufen. Sie bleibt, aber die Badtür muss raus – ein neues Winterprojekt!
Sonnige Grüße, ich hoffe dir geht’s gut!
Luca
SV Jambalaya mit Mel (Hund)

SV Vaguebond – Ivan Steenhuyse BE

CIRCUMNAVIGATION – PART NUMBER TWO
Hello Peter, we are preparing for offshore sailing again, so we also would like to re-engage our beloved 3rd crew member (the one who doesn’t eat & drink).
Could you please provide me with a replacement Push Rod 151 to our home adress in Europe?
kind regards
Ivan Steenhuyse
SV Vaguebond

SV Usquabae – Carol Brousse FR

GARCIA MARACUJA 12.30 – AROUND THE WORLD
Bonjour Peter,
After my sailing around the world, I need to change some small parts for my Windpilot Pacific:
-332 Lagerstreifen 1X55 Delrin
-333 Lagenstreifen 1X40 Delrin
-114 Bundbuchse 10X15X15 Delrin x 2 pieces
Please send your quote for delivery to my home adress.
I’m totally satisfied with this Windpilot which has really been reliable during now 16 years.
Merci beaucoup!
Carol Brousse,
Bateau Usquabae

Kings Canyon und Regen in der Wüste

08.09-11.09.24, Australien/NT/Kings Canyon, Tag 283-286 Roadtrip, 22.684 km total, Tages-km 210

Unser Weg führt uns weiter über die Straße, für die wir fünf Dollar Gebühr zahlen mussten. 160 Kilometer Schotterpiste mit Wellblech-Geschüttel vom Übelsten. Als Trost ist die Landschaft wundervoll und wir treffen auf einen Dingo. Der Kerl liegt auf der Straße im Schatten und lässt sich nicht stören als wir anhalten. Er macht einen kranken Eindruck. Aber Dingos sollen immer etwas struppig und verhungert wirken.

Lohnenswerter Weg über die Schotterstraße.

Typische Dingo-Zeichnung – weiße Pfoten.

Dromedare. Nach Schätzungen leben 400.000 bis eine Million Dromedare in Australien. Sie wurden früher (das erste Dromedar kam 1840 nach Australien) als Lastentiere genutzt und dann in die Freiheit entlassen. Es scheint ihnen zu gefallen, sie vermehren sich prächtig. Zu prächtig. Es wurden 2009 schon mal 160.000 Tiere abgeschossen, da sie sich als Pesttiere zu sehr ausbreiten.

Noch mehr Dromedare …

Irgendwann überholt uns ein Pickup. Viel Verkehr ist nicht los, fünf, sechs Auto kommen uns entgegen. Nach einer Stunde Fahrzeit holen wir den Pickup wieder ein. Er steht schief auf der verkehrten Seite vom Weg. Wer im Outback am Straßenrand steht, kann sich sicher sein, dass ein vorbeikommendes Fahrzeug anhält. Ist alles okay, reicht ein Daumen hoch, dann fährt der andere weiter. Wir sehen kein Zeichen.
Achim lässt die Scheibe runter: „Braucht ihr Hilfe?“ Die beiden Aborigines-Männer nicken. Sie haben einen Plattfuß und bekommen die Radmuttern nicht gelöst. Die Radmuttern sind so abgenudelt, dass kein Werkzeug mehr greift. Wir können vor Ort nicht helfen. Aufkleber auf dem Auto zeigen, dass die zwei für den Campingplatz arbeiten, der neunzig Kilometer entfernt liegt. Das ist auch unser Ziel. „Könnt ihr im ‚Discovery Park‘ dem Manager David Bescheid sagen, dass er uns abschleppt?“                       „Klar. Braucht ihr sonst noch was?“ Die Antwort verblüfft uns: „Wasser!“ Was eher zu doofen Touristen passt, sollte doch den Aborigines nicht passieren. Zu wenig Wasser dabei zu haben.
Jeder verflixte Prospekt und Ratgeber empfiehlt, dass man mindestens sechs Liter Trinkwasser pro Erwachsenen dabei haben soll, wenn man in einsame Regionen fährt. Wenn wir so abgelegen unterwegs sind, haben wir achtzig Liter dabei (trinken, kochen, Abwasch, Hände waschen, Dusche vielleicht). Reserve auf die Reserve (Achim), vielleicht will auch der Kühler mal Wasser haben und getreu dem Motto ‚haben ist besser als brauchen‘. :mrgreen:
Wir haben also reichlich Wasser übrig und können die Jungs versorgen. Zwei Stunden später erreichen wir den ‚Discovery Park‘ und David macht sich auf den Weg.

Die beiden Jungs bringen eine Waschmaschine zum Campingplatz. Sie sind weder mit Funk noch Satellitentelefon ausgerüstet. Knapp mit Wasser unterwegs. Aber vielleicht kennen sie noch alte Tricks der Vorfahren, wo man in der Wüste Wasser findet …

Der Campingplatz liegt am Touristen-Magneten ‚Kings Canyon‘, hat vor Ort das Übernachtungs-Monopol und ist sauteuer. 70 Dollar für einen unpowered Platz belegen den Spitzenplatz. Zu unserer Verblüffung erhalten wir dreißig Prozent Nebensaisonrabatt, wenn wir drei Nächte buchen. Wir schlagen ein.

Bereits am ersten Abend ziehen Wolken auf und nächsten Morgen regnet es. Nicht nur die versprochenen 2 mm, es gießt wie aus Kübeln. Vorgestern hatten wir noch 35 Grad, plötzlich frieren wir trotz diverser Klamottenlagen. Die Temperatur ist um fast 25 Grad gefallen.

In einer Welt voller Kardashians sei eine Willner. 
Mit dem Kauf von Crocs habe ich mich schuhtechnisch auf die dunkle Seite der Macht ziehen lassen. Aber ich muss es zugeben, auf dem Campingplatz sind sie einfach nur praktisch. Sie gehen sogar mit Socken. :mrgreen:

Leider ist der Campingplatz nur teuer, aber nicht schön. Eine Camp-Küche nicht vorhanden. Es gibt Unterstände, an denen man abwaschen kann. Alles sandig und verdreckt. Die Dächer zu hoch, keine Seitenwände, dort können wir nicht sitzen. Unter unserer Markise erst Recht nicht. Der Wind peitsch den Regen unter alle Überdachungen. Wir haben nichts Besseres und krabbeln ins Zelt zurück mit Keksen und Gummibärchen. Gegen Abend hört es auf. Wir kriechen zurück ans Tageslicht.

Schöner Stellplatz unter dem Regenbogen

Am nächsten Tag ist es noch immer kühl, aber Strahle-Wetter. Ideal für den Kings Canyon. Vor ein paar Tagen war der Weg bereits ab 9:00 Uhr morgens gesperrt – bei über 35 Grad hier so Sitte. Es gibt einen Track sowohl in den Canyon hinein als auch einen auf der Kante entlang. Ganz großes Wanderkino. Die sechs Kilometer Rundweg sind abwechslungsreich und spannend. Mal mit Mörderaussicht, mal kann man über Plateaus zwischen Türmen und Domen aus Sandstein entlang laufen.

Kings Canyon – oben auf der Kante kann man sechs Kilometer entlang wandern

Wenn man es einhundert Meter hoch geschafft hat ohne Sauerstoffzelt, hat man einen tollen Blick.

Der Weg ist besser als erwartet – es geht nicht nur an der Kante entlang.

Picknick an der Canyon-Kante.

Am Scheitel vom Canyon muss man wieder hoch – die schwierigsten Stellen sind mit einer Leiter versehen.

Der Canyon ist ein 100 bis 300 Meter tiefer Graben

Am Abend zeigen die Vorhersagen schon wieder Regen an. Das können wir am Uluru – unserem nächsten Ziel – gar nicht gebrauchen. Dort sind die Preise für den Zeltplatz noch höher. Der Parkpass, den man kaufen muss, gilt nur für drei Tage. Wir sitzen das schlechte Wetter am besten vor Ort aus. Also verlängern wir um zwei Nächte am Kings Canyon. Wieder mit Rabatt. Prima. Die Lage ist traumhaft und fast jeden Abend kommen Dingos vorbei.

Der Dingo hat auch noch zwei Brüder – die zeigen sich aber nur am Regentag ganz kurz. Dieser hat bei dem schlechten Wetter eine Mülltüte vor einem Caravan erbeutet.

Der Campingplatz-Dingo vor perfekter Campingplatz-Kulisse in der Abendsonne – good boy!

Dingos sind bereits vor tausenden Jahren verwilderte Haushunde. Sie werden keine 60 cm hoch und erreichen selten 20 Kilogramm. Normalerweise leben sie abseits vom Menschen und sind eher scheu. Werden Dingos gefüttert oder finden Abfall, verändern sie ihr Verhalten. Fällt ihre Futterquelle weg, können sie aggressiv reagieren. Und dann sind sie potentiell doch nicht ganz ungefährlich.

Auf dem Campingplatz sind die Mülltonnen hinter Wänden Dingo sicher verstaut. Überall hängen Schilder, ’nichts liegen lassen, nicht füttern‘. Das klappt nur mäßig. Und somit treibt sich ein Dingo ohne Scheu im Camp herum. Er ist friedlich, knurrt nicht, zeigt kein aggressives Verhalten.  Hoffentlich hält er sich dran, denn aufdringliche Dingos werden ‚entnommen‘ – destroyed, wie es ganz deutlich auf dem Warnzettel heißt.


7

Alice Springs – ein schwieriges Pflaster

03.09-07.09.24, Australien/NT/Alice Springs+MacDonnell, Tag 278-282 Roadtrip, 22.473 km total, Tages-km 163+57+132

Alice Springs liegt ziemlich genau in der Mitte-Mitte Australiens. Gegründet vor 140 Jahren für eine Telegrafen-Relais-Station (etwas außerhalb vom heutigen Stadtkern), um endlich Australien mit der Welt zu verbinden. Eine Nachricht benötigte plötzlich  nur noch 24 Stunden bis nach Großbritannien. Hundert Jahre lang hatte kaum jemand den Wunsch im roten Zentrum zu wohnen. Die Einwohnerzahl dümpelte um ein paar hundert Einwohnern. Das änderte sich erst mit dem wachsenden Tourismus-Interesse am Uluru (früher Ayers Rock) – dabei ist der noch 450 Kilometer von hier entfernt. Hätte man mich vor ein paar Monaten gefragt, hätte ich auf ‚um die Ecke‘ getippt. :mrgreen:

Mit dem eigenen Auto nach Alice Springs – nie erwartet, dass das mal passieren würde.

Heute hat Alice Springs knapp 30.000 Einwohner und einen sehr schlechten Ruf. Einbrüche, Autodiebstahl, Alkoholmissbrauch. „Nachts geht man besser nicht auf die Straße“, warnen uns andere Camper und Internetseiten.
Unser Campingplatz liegt fünf Kilometer außerhalb, hinter einer Sichtschutzwand mit Stacheldraht obendrauf. Wir sollen nachts alles abschließen, wird uns empfohlen. Ansonsten ist der Platz ein Glücksgriff. Direkt vor der Tür liegt eine Haltestelle für den Bus ins Zentrum. Dank einer Null-Dollar-Ticket-Testphase ist die Fahrt kostenlos. Außer einer älteren Dame fahren keine Weißen mit dem Bus, nur Aborigines.

Zwischen bunten Palmen steht unser Zelt – der Platz hat auch noch eine super Küche.

 

In Alices schmückt sich alles mit der Pünktchen-Kunst der Ureinwohner: Polizeiwagen, Tourenanbieter, T-Shirts und Häuserfronten. Jedoch, in den Gallerien, Souvenirshops und Stoffläden stehen Weiße hinter dem Tresen. Eine Art Gallery in der man den Künstlern bei der Arbeit zuschauen könnte, hat geschlossen.

Pünktchenmalerei überall

Zwischen den Hochglanzgeschäften und den Parks hängen überall Gruppen von Aborigines „herum“. Wir werden sowohl im Bus als auch auf der Straße ignoriert. Nur als Achim in einen wartenden Bus steigt, um die Fahrerin etwas zu fragen, werde ich draußen angemacht: „whites are allowed on the bus.“ Ich ignoriere den Vorwurf. Die Gruppe, die mit uns so maulig ist, war eine Minute zuvor von der Busfahrerin aus dem Bus geworfen worden, weil die Abfahrt erst in zehn Minuten losgehen soll.
Alice Springs kommt uns vor wie ein Pulverfass neben einem Lagerfeuer.

Für uns ist Alice der geeignete Ort, um uns neu zu proviantieren. Die Supermärkte sind gefüllt. Zehn Prozent Outback-Aufschlag erscheinen uns angemessen.
Nach drei Tagen ziehen wir weiter, denn Alice Springs liegt eingebettet in die MacDonnell Ranges, ein Gebirgszug, der mit hübschen Schluchten lockt. Die Weide-Ebene liegt nun endgültig hinter uns.

Alice eingeschmiegt zwischen die sanften Hügel der MacDonnel Ranges

Das Gebiet der MacDonnell Range wurde 2012 an die Aborigines zurück gegeben. Die Verwaltung wird gemeinsam mit der Wildlife Commisson NT betrieben. Das macht es für Touristen umständlich. Die Eintrittskarte für die kommenden Nationalparks erhalten wir online oder im Info-Center. Die Gebühr für eine Verbindungsstraße erhält man nur in Aborigines Communities. Einige Campingplätze sind nur über die NT Nationalparkseite buchbar, andere fallen raus aus dem System.
Wir wühlen uns durch den Dschungel und fahren los.

Der Campingplatz am Standley Chasm steht zu hundert Prozent unter Aborigines-Verwaltung und ist mit fünfzig Dollar eigentlich zu teuer. Dafür entfällt dann aber die Eintrittskarte zur Schlucht, die nicht im Nationalpark-Pass enthalten ist. Sein Zelt schlägt man auf dem Parkplatz der Tagesbesucher auf. Die Wintersaison ist am ausklingen, trotzdem werden noch Busladungen an Gästen hergebracht. Um 17:00 Uhr schließt die Schlucht, dann wird es ruhig. Die Toiletten werden leider auch von alle Tagesgästen benutzt und abends nicht mehr gereinigt – nicht sehr angenehm. Die Wanderungen sind klasse.

Der Blick über einen Teil der MacDonnell Range – die ist über 400 Kilometer lang.

Viel grüner als erwartet.

Um die Mittagszeit leuchtet der Spalt im Felsen am stärksten.

Standley Chasm

 

Am nächsten Tag fahren wir auf kostenloser Regierungs-Asphalt-Straße weiter die MacDonnell Range entlang. Alle paar Kilometer bieten sich Wanderungen in die Schluchten an.  Am Parkplatz, wo der von uns gewählte Rundweg beginnt, warnt ein Schild, dass der ‚blaue Weg‘ wegen Buschfeuern seit drei Tagen gesperrt sei. Unser Weg hat rote Pfeile, wir laufen also los. Nach ein paar hundert Metern erreichen wir einen schwarz verbrannten Abschnitt. Ein Baum qualmt noch. Zu lange darf man nicht stehen bleiben, dann werden die Sohlen warm. Pfadfinder Achim sucht uns einen Weg am Abgebrannten vorbei und wir landen wieder auf dem Wanderweg.
Einen halben Kilometer später liegt ein Baum auf dem Weg. Der Stumpf brennt sogar noch. Unsere Erfahrung mit Buschfeuer beträgt genau Null. Das Ganze erscheint uns zu gefährlich, wir drehen um.

Wir dachten, wir könnten uns am Feuer vorbeimogeln.

Der Stamm ist nicht mehr heiß, aber

wir wären geradewegs in stärkeren Qualm gelaufen. Warum unser Wanderweg nicht gesperrt war? Keine Ahnung.

 

Wir halten auf dem Weg zum vorgebuchten Übernachtungsplatz noch zweimal an. Überall ist es wunderschön und viel grüner als wir nach den unendlichen Kilometern gelber Steppe erwartet haben (es gab viel Regen, wusste der Herr aus der Touri-Info in Alice).

Ellery Creek Bighole – man darf baden. Ein Temperatur-Check sagt ‚besser nicht‘!

Dass es überall blüht, ist total unerwartet.

 

Dieses Camp ist ein wahrer Traum an Busch-Camping. Zwanzig Dollar und wir sind fast alleine dort über Nacht.

Abwasch nach dem Frühstück.

Sogar die Gräser fangen hier gerade an zu blühen. Auf der Ebene war die Satt bereits ausgefallen.

 

Alkohol Talk No. 2

Die Einschränkungen in Puncto Alkoholkauf finden ihren vorläufigen Höhepunkt in Alice Springs. Grundsätzlich gibt es Alkohol in Australien nur in ‚Bottle Shops‘ zu kaufen. In Alice haben diese Läden Sonntag, Montag und Dienstag geschlossen. Wir haben unser Sundowner-Bier fast aufgebraucht und möchten Nachschub kaufen.
Normalerweise machen wir das, wenn wir morgens unser ganzes Gerödel zusammen gepackt haben und sowieso weiter fahren möchten. In Alice geht das nicht, denn an den anderen Tagen öffnen die Schluck-Läden erst um 15:00 Uhr. Wir müssen also alles zusammenpacken und fahren am Mittwochnachmittag in die Stadt. :shock:
Alle fahren mittwochnachmittags in die Stadt. Das Einkaufszentrum ist voll wie Weihnachten und Gründonnerstag zusammen. Vor dem Bottle Shop steht eine Schlange. Das Polizeiaufgebot ist größer als bei einem Geldtransport. Ausweis zeigen, klar! Dann die peinliche Befragung, wo wir denn denken, dass wir den Alkohol trinken werden. Achim, der gar nicht schwindeln kann, hat es diesmal drauf: „Wir fahren Richtung Süden und trinken da!“ ***Wir dürfen die heiligen Hallen betreten. Der Laden ist knallvoll. Auch viele Aborigines. Einige werden abgewiesen. Wer aus der falschen Community stammt, darf keinen Alkohol kaufen. Die Chefs in den Communities bestimmen, dass diese Gemeinschaft ‚dry land‘ ist. Das ist den Kunden natürlich bekannt, aber man kann es ja mal versuchen …
Überraschender Weise ist das Bier auch nur zehn Prozent teurer als üblich. Wir kaufen einen Karton und bringen ihn schnell zum Auto. Decke drüber und Abfahrt.  Autos und Häuser in Alice Springs werden häufig nur auf der Suche nach Alkohol aufgebrochen.
In 2023 wurden die Alkohol-Restriktionen (die zehn Jahre bestanden hatten) für kurze Zeit aufgehoben mit fatalen Folgen. Die Kriminalität stieg sprunghaft an. Daher jetzt wieder diese Einschränkungen.

*** Auf dem ersten Campingplatz – am Standley Chasm – darf man keinen Alkohol mitbringen. Wir haben noch eine größere Runde vor uns ohne Bottle Shop, also verstecken wir unser Bier und schmuggeln es auf den Campingplatz (nichts verschenkt oder verkauft und niemand hat es gesehen).


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Längste Abkürzung in Australien

30.08-02.09.24, Australien/NT/Jervois+Gemtree, Tag 275-277 Roadtrip, 22.122 km total, Tages-km 469+209

Die 750 Kilometer von Boulia bis zum Stuart Highway – der Lebensader von Nord nach Süd, die genau durchs Zentrum führt – teilen wir ebenfalls in zwei Etappen auf. Die Landschaft wird roter, bleibt aber platt. Ab und an taucht am Horizont eine flache Gebirgskette auf.

Die Schotterstraße ist ziemlich gut befahrbar. Besonders auf der Queenslandseite. Als wir die Grenze zum Nothern Territory überschreiten, wird es schlechter.

Auf der gesamten Strecke gibt es keinen Ort, kein Internet, keinen Telefonempfang. Uns kommen auf dem Abschnitt in zwei Tagen 25 Autos, zwei Motorradfahrer (leicht Verrückte), zwei Fahrradfahrer (komplett gaga – die Hitze, der Staub, die schlechte Straße) und drei Viehlaster entgegen. Die Hälfte der Strecke ist unbefestigt, aber meistens in einem guten Zustand. Selten Wellblech. Damit die Landkarte nicht nur aus weißem Papier besteht, ist jede Rinderfarm rechts und links der Strecke aufgeführt.

Alle Namen in Anführungszeichen sind Stations – Rinderfarmen – keine Orte.

In der Mitte im Nichts eine Notlandebahn.

Riesiger Termitenhaufen. Selfie von der Motorhaube.

Überflutungsmarke. Die höhe der Überflutungen ist schwer nachzuvollziehen, denn die durchschnittliche Regenmenge in dieser Gegend beträgt keine 30 cm. Alle paar Kilometer stehen Warnhinweise am Rand, dass wieder eine Senke mit Überflutungsgefahr folgt.

Träge bewegt der Waran sich von der Straße runter.

Varanus giganteus – bis 2,50 Meter lang wird dieser prächtige Waran.

 

Unser erstes Camp schlagen wir auf einer dieser Rinderfarmen – Stations genannt -auf. Die ‚Jervois Station‘ wurde als eine der letzten in dieser Region erst 1960 gegründet. 1977 und 1980 weiterverkauft und scheint nun glückliche Besitzer gefunden zu haben. Die Großfamilie hat es sich in der Mitte von Nirgendwo gemütlich gemacht. Die Kinder haben eine Rasenfläche zum Fußballspielen, eine Ritterburg aus Plastik und zwei Kinder-Motorräder stehen an die Hauswand gelehnt. Enduros natürlich. Starlink auf dem Dach verbindet mit der Welt und ermöglicht Home Schooling auf komfortable Art.

Der Campingplatz liegt etwas abseits vom Wohnhaus. Ist nur ein kleiner Nebenverdienst der Jervois Station. Dusche und Toilette sind in einem Container installiert. Zwanzig Dollar pro Nacht – inklusive Besuch einiger Kälbchen, die über den sandigen Platz strolchen. Es gibt keinen Strom auf dem Campground und das Starlink der Station reicht nicht bis hierher.
Der Abend ist phantastisch. Es ist absolut windstill. Bewegungslos hängen die Blätter am Baum. Wir haben unseren eigenen Starlink: einen direkten Blick auf die Mitte der Milchstraße. Keine Lichtverschmutzung trübt das Vergnügen. Die Milchstraße ist so hell, dass man große Schrift auf einer Flasche entziffern kann. Bombastisch.
Wir sind die einzigen Camper. Allerdings übernachten noch ein paar Straßenarbeiter in drei windschiefen Containerhütten. Die Jungs sollen wir am nächsten Tag noch einmal wieder sehen. Zu unserem großen Glück wird gerade die Straße glatt gezogen. Es fährt sich leiser als auf jedem Asphaltbelag.

Unsere Freunde vom Campingplatz bei der Arbeit. Am nächsten Morgen holen wir sie ein.

Abendstimmung – kein Windhauch – absolute Stille

Varanus spenceri – Spencers Waran wird ungefähr 1,20 lang.

 

Beim zweiten Halt bleiben wir zwei Nächte. Wir sind fast in der Zivilisation zurück, nur noch 140 Kilometer von Alice entfernt, die Straße ist asphaltiert è bedeutet gleich 35 Dollar die Nacht. Rinderzucht wird hier nicht mehr betrieben. Die Eigentümer von ‚Gemtree‘ setzten auf Touristen. Von Alice Springs ist der hübsche Campingplatz schon als Wochenendausflug zu erreichen.
Zum Gemtree gehört ein nahegelegener Steinbruch in dem man gegen Gebühr nach Zirkonia, Rosenquarz  und anderen Halbedelsteinen buddeln darf. Man findet wohl tatsächlich welche. Kleine Brocken meistens. Der Shop neben der Rezeption verkauft auch Steine. Beutel mit Zirkonia kosten fünf oder zehn Dollar. Reichtum ausgeschlossen bei der Buddelei mit 35 Grad im Nacken.

Ein ganz besonderer Service vom Camingplatz: man kann Burger und andere Kleinigkeiten an der Rezeption (500 Meter entfernt) bestellen und die Lieferung erfolgt an den Stellplatz.

Wir konzentrieren uns auf den Rundweg um den Campingplatz, der eine dreiviertel Stunde durch den Busch führt. Bäume und Büsche sind beschriftet. Ein Büchlein mit Erklärungen kann man sich in der Rezeption ausleihen.
Selten war die Gelegenheit so einfach vom Zelt aus loszumarschieren. Direkt nach Sonnenaufgang sind wir unterwegs. Eine schöne Tour – viele Wildblumen und Büsche blühen gerade. Es soll die letzte Zeit mehr Regen als üblich gefallen sein. Der Frühling ist nah. Trotz der frühen Stunde zeigen sich keine Tiere. Eine kleine Echse ist unser einziger Begleiter.

Viele Wildblumen blühen zur Zeit. Es ist Regen gefallen vor Kurzem.

Der Zwerg ist gut getarnt und keine zehn Zentimeter lang.

Rosa Kakadus sitzen neben dem Zelt – Die häufigen weißen Kakadus sind scheuer.

Unterm Strich können wir sagen, dass sich die längste Abkürzung für uns gelohnt hat. Durch fortschreitende Asphaltierung des Highways auch eine echte Abkürzung geworden ist. In naher Zukunft wird die gesamte Strecke keine ‚Dirt Road‘ mehr sein. Entsprechende Schilder der Regierung am Wegrand zeigen die Pläne.

Rindertransport Talk

Bis in die 50er/60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden die Viehherden in Australien getrieben. Klassisch mit Pferd und Stockman – so heißen Cowboys in Australien. Dies erfolgte nur zu bestimmten Jahreszeiten. Zehntausende Rinder waren dann gleichzeitig unterwegs.
Heute funktioniert der Transport per Roadtrain. Allein in Queensland soll es zehn Millionen Rindviecher geben. Eine riesige Logistik-Maschinerie sorgt für einen reibungslosen Transport. Drei Anhänger pro Roadtrain sind üblich. Kühe werden zweistöckig  verladen – bis zu 144 Stück auf einem Roadtrain.

Die hinteren Tiere stehen nonstop im Staub. Nicht schön. Da bleibt nicht viel Luft zum Atmen. Bei Treiben mit Pferden sah es nicht besser aus.

Eine Saison gibt es nicht mehr. Ganzjährig rattern die Viehlaster über Schotterstraßen und asphaltiere Highways. Die Regularien schreiben vor, dass die Tiere nicht länger als 48 Stunden ohne Pause transportiert werden dürfen. Die Entfernungen sind hoch. Viele Schlachthäuser wurden geschlossen, da sich ein Lebendtransport per Schiff etabliert hat. Die verbliebenen Schlachthöfe liegen weit verstreut.
Von unserer Pervois Station zum nächsten Schlachthof, nach Rockhampton, sind es 1.700 Kilometer. Allerdings gibt es in Winton eine Erleichterung für die Tiere – eine Verladestation auf die Schiene.

An der Verladestation in Winton gibt es ein Gewirr aus Gattern und Schleusen.

‚Cattle Train‘ von Winton nach Rockhampton.

Zweigeschossige Entladestation – Hightech. Alles sieht sauber und gepflegt aus – kein Kuhdung liegt herum.Wasser und Heu für die Tiere stehen bereit.

Entladung vom Vieh in Winton.

Kälber bekommen statt Ohrmarke das gleiche Muster ins Ohr getackert – fies! Wie wird das gemacht, frage ich mich?

Als die Rinder noch per Pferd durchs Land getrieben wurden (kann man heute als Stockman-Urlaub buchen – kleine Herden von 600 Tieren werden dann für Touristen gegen den Einwurf kleiner Münzen getrieben), verloren sie mehr Kilo an Gewicht als heutzutage. Stressfrei ist das damals auch nicht gewesen. Die Roadtrain-Tiere verlieren so viel Gewicht, dass sie im Schnitt zehn Tage in die Mästung müssen, um auf ihr Ursprungsgewicht zurück zu kommen. Diese Mästung erfolgt am Schlachthof oder vor dem Lebendtransport per Schiff. In Australien steht der Schifftransport unter hartem Beschuss. Was nachvollziehbar ist, mir fällt kein Grund ein, warum man nicht Fleisch gefroren transportieren kann, statt den Tieren auch noch eine Seereise zu verordnen.


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